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DAS WAR'S!

31/12/2018

Der letzte Tag des Jahres dauert an, heute widme ich mich einer "Sache", die gerade an Silvester oftmals ein großes Thema ist. An Silvester entstehen bekanntlich viele Beziehungen, viele scheitern aber auch.

 

Machtspiele in der Beziehung: Liebe und Macht gelten als unvereinbar. Ein Irrtum, wie ich finde. Erst wenn wir verstehen, dass Machtprozesse in der Partnerschaft die Regel sind, können wir effektiv an ihnen arbeiten – und womöglich eine Trennung verhindern. .  

 

Menschen haben so ihre Eigenarten. Unsere Partner/innen zum Beispiel: Vielleicht sind sie unpünktlich. Vielleicht sind sie sehr eifersüchtig. Vielleicht sind sie auch recht schweigsam und wirken in Gesprächen abwesend. Diese Ecken und Kanten haben alle, sie sind ganz normal – und doch stören sie uns. Diese Dinge fallen uns auch meist erst nach einigen Monaten auf, wenn das Frischverliebtsein abgeklungen ist. Oft löst sich so etwas dann von allein: Unsere Partner/innen merken selbst, dass wir unter ihrem Verhalten leiden. Spätestens aber wenn wir unserem Unmut, etwa über die Unpünktlichkeit, das erste Mal Luft machen, sollte eine Kompromissbereitschaft da sein. Ist es das nicht, und bleiben Partner/innen danach unpünktlich, lohnt sich ein genauerer Blick: denn hier geht es in den meisten Fällen trotz vermeintlichen Begründungen nicht darum, dass sie nicht pünktlich kommen können. Sondern darum, dass sie nicht pünktlich kommen wollen. Sie üben Macht aus.

 

Von der Macht, die unsere Beziehung lenkt

Macht in Beziehungen? Das klingt zunächst paradox, glauben wir doch gerne daran, dass Macht keinen Platz hat, wo es Liebe gibt. Der Begriff „Macht“ beschreibt schließlich die Fähigkeit, die eigenen Interessen durchzusetzen. Dem widerspricht unsere romantische Vorstellung von Liebe und Partnerschaft. Wir wollen ein Team sein.

 

Macht spielt aber in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle: In der Politik, im Wirtschaftsleben und auch in der Beziehung. Nur sollten wir uns in der Liebe nicht an Machtprozesse gewöhnen, die in Betrieben an der Tagesordnung sind.

 

Ich habe mich oft gefragt: „Warum scheitern Partnerschaften, die anfänglich so leidenschaftlich und stark waren?“ Nicht nur mit dem stressigen Alltag oder sich einsetzender Langeweile hat das zu tun. Es sind vor allem destruktive Machtprozesse, die eine Beziehung regelrecht zerstören.

 

Diese gründeten sich oft auf Streitspiralen – und falschen Reaktionen. Ein Beispiel: Die Frau verweigert Sexualität, sie übt Macht aus. Darauf reagiert der Mann mit tagelangem Schweigen, er übt ebenfalls Macht aus. Kommt es zur Diskussion, wird dann aber vordergründig über eine Nichtigkeit gestritten, der eigentliche Grund für das Problem wird nicht gelöst.

 

In allen Partnerschaften gibt es diese stillen Machtkonflikte. Werden sie nicht rechtzeitig erkannt, könnten sie zu einer völligen Entgrenzung voneinander führen. Dann dominierten sie; Respektlosigkeiten und der Kampf um Überlegenheit bestimmten die Beziehung. Macht werde genutzt, um den anderen zu quälen, beispielsweise mit Sexentzug. Es gehe dann häufig nur noch darum, dem anderen etwas „heimzuzahlen“. Die meisten Machtprozesse spielen sich aber ganz unbewusst ab. Böse Absichten zu unterstellen wäre falsch, oft begründen sich solche Verhaltensmuster aus der Erziehung, dem Umfeld, in dem jemand aufgewachsen ist.

 

Wie erkennen wir, dass ein destruktiver Machtprozess im Gange ist?

Die Einteilung der Macht in Beziehungen lässt sich anhand einiger Fragen erkennen:

 

  • Wer bestimmt stärker, wie oft man sich sieht?

  • Wer bestimmt, wie oft es Sexualität gibt?

  • Wer bestimmt darüber, wie man die gemeinsame Zeit verbringt?

  • Wer redet eher, wer hört eher zu?

  • Wer kritisiert eher, wer lobt?
     

Vor allem bei den letzten beiden Punkten zeigt sich Machtverteilung sehr genau: Wenn Partner/innen etwa ständig über den eigenen Erfolg sprechen, aber uns gerne kritisieren – nur um dann empfindlich zu reagieren, wenn sie selbst einmal kritisiert werden. „Anerkennungs-Macht“.

 

Das Aushandeln der anderen Punkte spielt sich nahezu unbemerkt ab, denn fast alles wird selbstverständlich vom anderen gelebt, der andere passt sich an. Nur wenn ein Streit riskiert wird, werden Machtstrukturen plötzlich deutlich.

 

Die eigentliche Schwierigkeit beginne erst dann. Man braucht zur Bewältigung von Machtprozessen ein gutes Selbstbewusstsein und eine große Unabhängigkeit, nur dann kann man diese Liebes-Schlachten aushalten. Auch Sozialkompetenz ist notwendig. Wir müssen uns fragen:

 

  • Wie sieht mich mein Partner?

  • Wie schwierig bin ich selbst gelegentlich?

  • Wann bin ich zu aufgeregt, wann zu ängstlich?

  • Kann ich mich genug versöhnen?
     

Machtspiele können lange schlummern. Meist sind es dann – oft in einem fortgeschrittenen Stadium der Beziehung – äußere Belastungssituationen, die dann die Machtkämpfe verschärfen. Es sind die Geburt der Kinder, Krankheiten eines Partners, Arbeitslosigkeit, der Bau eines Hauses oder die Berentung.

 

Apropos Versöhnen: Es gibt in allen Partnerschaften immer unsägliche Schallplattengespräche, bei denen man um die gleichen Themen streitet und sich nicht einigen kann. Hier helfe nur: Aufhören. Das ist ein Zustand einer zu großen Verstrickung, das bedarf einer vernünftigen Distanz. Wenn ich mich entziehe, kann sich der Partner erholen, bekommt Sehnsucht und die Bereitschaft ist von beiden Seiten ist größer, einen vernünftigen Kompromiss zu erzielen.

 

Gerade am Anfang lohnt sich ein waches Auge

Am Anfang einer Beziehung sehen wir vieles durch ein Art Liebesfilter. Wir möchten uns dem Gefühl hingeben, uns fallen lassen, die Situation nehmen, wie sie kommt und vor allem nicht wie ein Spürhund nach irgendwelchen Machtspielchen suchen. Dennoch sollten wir auf vermeintliche Kleinigkeiten achten - auf kleine Grenzüberschreitungen, Respektlosigkeiten. Häufig wird das ignoriert, weil wir die Bedeutung alltäglicher Handlungen unterschätzen.

 

Oft zeigt sich nämlich erst da der wahre Charakter eines Menschen. Und so gibt es einige Warnzeichen. Der Machtwille eines Menschen lässt sich zum Beispiel am Autofahren erkennen, wie einer Studie der Exeter University zu entnehmen ist: Der Typ des aggressiven Fahrers, der rücksichtslos überholt, andere Autofahrer schneidet und ständig über Verkehrsteilnehmer flucht, ist auch in der Partnerschaft ein Mensch, der sich ständig ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzt. 

 

Weitere Fragen, deren Antworten einiges über das Gegenüber aussagen:

 

  • Interessiert sich der Partner für mich, kann er zuhören?

  • Hat er beim nächsten Treffen behalten, was ich gesagt habe?

  • Verträgt er es, wenn ich ihm widerspreche?

  • Greift er auch meine Vorschläge auf oder bestimmt er?

  • Drängelt er beim Sex oder kann er warten?

  • Wie geht er auf meine Themen ein?
     

Es gibt hunderte kleine Hinweise, die man aber nur ernst nehmen kann, wenn man nicht zu bedürftig ist.

 

Machtspiele müssen wir unbewusst steuern

Überhaupt sollten wir uns klarmachen: Eine halbwegs harmonische Partnerschaft kann nur gelingen, wenn es gemeinsame Grundüberzeugungen im Hinblick auf die Lebensgestaltung gibt.

 

Wenn wir erkannt haben, dass unsere Beziehung von einem destruktiven Machtprozess begleitet wird, müssen wir diesen bewusst wahrnehmen und steuern. Reden hilft nicht immer. Meist ist es besser, wenn man diese Machtprozesse beobachtet und dann die Kräfteverhältnisse verändert. Wir müssen unsere Ohnmachtsfalle überwinden, indem wir uns auf eigene Projekte konzentrieren und den Schwerpunkt in unser eigenes Leben verlagern. Bereits das bewirkt häufig, dass der Partner die Machtspiele aufgibt, weil er um die Nähe in der Beziehung kämpft.

 

Vor allem wir selbst müssen den Anfang machen. Sind wir gefestigt und haben eine innere Grundstärke zurück erlangt, gelingt es, Machtprozesse zu durchbrechen. Gibt es lange keinen Sex? Dann sollten wir einfach einmal im Wohnzimmer schlafen. Ist der Partner weiterhin immer unpünktlich? Dann sollten wir aufhören zu warten und uns zu sorgen, sondern uns anderen Dingen zuwenden – und auch einmal alleine zum geplanten Treffen mit Freunden fahren. Meist erkennen Partner/innen dann, dass ihr Verhalten die Partnerschaft beschädigt und ändern etwas. Damit retten sie wahrscheinlich auch die Beziehung. 

 

 

Ich wünsche euch ALLEN ein frohes NEUES JAHR, achtet mehr auf euch und seid euch darüber im Klaren, was euch wichtig ist. Habt ihr ein Ziel? Dann auf. Der Weg ist das Ziel.

 

 

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